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Wohnbox für Obdachlose als Reformationsprojekt

 

Knapp vier Quadratmeter Wohnraum für einen Menschen ohne Dach über dem Kopf transportierten Schülerinnen und Schüler des Carl-Reuther-Berufskollegs am 20.10.2017 von Hennef nach Sankt Augustin. Die Bau- und Holztechnikklasse hatte im Unterricht eine sogenannte Obdachlosenbox erstellt, die sie am 31. Oktober auf der Feier zum 500. Reformationsjubiläum des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein an den Initiator des Vereins „Little Home Köln e.V.“ übergeben wird.

„Die Reformation war in diesem Jahr natürlich auch in der Schule Thema“, berichtet Pfarrerin Eva Zoske, die am Hennefer Berufskolleg das Fach Religion unterrichtet. Sie sprach mit ihren Schülerinnen und Schülern über Martin Luther und seinen Kampf gegen den Ablasshandel im Mittelalter. Zusammen stellten sie fest, dass es ganz im Sinne Luthers sei, Menschen zu unterstützen, die Hilfe brauchen. In einer der berühmten 95 Thesen fordert der Reformator gute Werke der Nächstenliebe zu tun, anstatt Ablassbriefe zu kaufen. Als die Schülerinnen und Schüler überlegten, was sie selbst für hilfsbedürftige Menschen tun könnten, fiel die Wahl schnell auf den Bau einer Wohnbox für Obdachlose. Darleen Müller, 17 Jahre alt: „Wir waren direkt begeistert von dem Projekt, Obdachlosenkisten zu bauen. Wir haben Sven Lüdecke einige Male getroffen und jetzt ist unsere 1. Little Home fertig geworden!“

Inspiriert von einem Fernsehbeitrag über den Bau von Obdachlosenboxen in den USA begann Fotograf Sven Lüdecke im letzten Jahr mit der Umsetzung dieser Idee für Deutschland. Er gründete den Verein „Little Home Köln e.V.“ und begann ehrenamtlich kleine Häuser für Menschen ohne Dach über dem Kopf zu bauen. Als Pfarrerin Zoske ihren Schülerinnen und Schülern von der Möglichkeit berichtete, sich an dem Projekt mit dem Bau einer Wohnbox zu beteiligen, waren sie begeistert. „Ich finde es gut, solche Boxen für Obdachlose zu bauen, weil sie so eine bessere Möglichkeit haben, zurück ins normale Leben zu finden“, sagte Schüler Philip Lautner am Tag der Verladung des Häuschens nach Sankt Augustin. Er hatte zusammen mit 18 jungen Menschen zwischen 17 und 19 Jahren unter Anleitung das winzige Heim gefertigt. Die Materialkosten von 650 Euro übernahm der Rhein-Sieg-Kreis für die Schule, so Schulleiter Günther Au, der ebenfalls von dem Projekt begeistert ist, „weil sich dafür auch die Kollegen des Schulbereichs sehr gut vernetzt hatten“.

Rundherum Holz mit einem kleinen Fenster und abschließbarer Tür, dazu Matratze, Decke, Kissen, Campingtoilette, Feuerlöscher. Muskelkraft und ein ausreichend großer Anhänger waren gefragt, um das 250 Kilogramm schwere Obdach vom Bauhof der Schule in Hennef auf das Gelände der Steyler Missionare in Sankt Augustin zu bringen, wo die Reformationsfeier am 31. Oktober stattfinden wird. Rund 20 Schüler und Lehrer packten bei der Verladung mit an, die Firma Neuhöfer aus Köln stellte kostenlos einen geeigneten Hänger für den Transport zur Verfügung. „Die Zusammenarbeit mit Sven Lüdecke war sehr angenehm und hat Spaß gemacht, weil man merkt, dass er da sein Herzblut reingesteckt hat. Es ist für Obdachlose der erste Schritt zur Selbstständigkeit und daher ist das Projekt sehr unterstützenswert“, so Marius Schumacher, 18 Jahre alt.

Anschließend ging es im Konvoi zu den Steylern. Dort werden die Schülerinnen und Schüler zusammen mit Pfarrerin Zoske die Box zu Beginn der Reformationsveranstaltung an Sven Lüdecke und seinen Verein übergeben. Voraussichtlich wird das kleine Zuhause zukünftig in Frankfurt stehen – allerdings zeigten sich auch die Steyler Missionare sehr interessiert, da bei ihnen gelegentlich Obdachlose vorbeischauen. Die Schülerinnen und Schüler wollen ebenfalls dran bleiben, sie planen „Little Home Köln e.V.“ mit dem Bau weiterer Obdachlosenboxen zu unterstützen. Wenn sie es schaffen, dafür Spenden einzuwerben.

Text: Jutta Huberti-Post / Fotos: Meike Böschemeyer

29. Oktober 2017 | Aktuelles |

 
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