News

Artikel


Werksbesichtigung bei der Deutschen Steinzeug in Witterschlick


Was hat die Biskuithalle mit der Fliesenproduktion zu tun? Warum sind Steingutfliesen meist immer glasiert? Und wie wirkt sich der allgemeine Rohstoffmangel auf die Baustoffproduktion aus? Antworten darauf und einen Einblick in den Fertigungsprozess von Steingutfliesen erhielten wir, die Auszubildenden des 2. Lehrjahres zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, mit unseren Lehrern Frau Wierschem und Herrn Schroeder bei einem Besuch der Deutschen Steinzeug AG in Alfter-Witterschlick.

Für uns angehende Fliesenleger ist eine fundierte Materialkenntnis notwendig, um später Kunden fachgerecht zu beraten und die Materialen fachgerecht zu verarbeiten und einzubauen. Im Bautechnikunterricht ist es manchmal schwer vorstellbar, welche chemischen und mechanischen Prozesse bei der Herstellung von Steingut ineinandergreifen müssen, um das hochwertige und optisch ansprechende Belagsmaterial herzustellen. In einer 2,5-stündigen Werksführung erhielten wir einen beeindruckenden Einblick in den komplexen Ablauf der Fliesenproduktion.

Im Rohstofflager, in dem u.a. große Mengen unterschiedlicher Tone, Feldspat und Kalke bereitliegen, erfuhren wir, wie Eigenschaften dieser Rohstoffe den Produktionsvorgang und die Qualität der Fliese beeinflussen. Hier wurde explizit das Thema Nachhaltigkeit und die Vorteile heimischer Industrie und Rohstoffgewinnung herausgestellt: Die Tone werden aus dem nahen Westerwald bezogen, das Kaolin aus Bayern und sämtlicher Ausschuss der Produktion als Bruch bzw. Rohmehl wieder zugeführt.

In einer großen Kontimühle werden die Rohzutaten aufbereitet. Nahezu vollständig automatisiert wird die entstandene Dispersion (Schlicker) im Anschluss in einem Sprühturm getrocknet und anschließend unter hohem Druck zu einzelnen Platten gepresst. Schon direkt nach der Presse erkannten wir Formate, die wir täglich im Betrieb verarbeiten. Diese hier waren allerdings noch nicht belastbar: Mit zwei Händen ließen sich die Platten zerbrechen.

Ihre Festigkeit erhalten sie durch die Trocknung und den anschließenden Biskuit-Brand bei ca. 1050°C. Vor dem zweiten Brand werden Steingutfliesen aufgrund ihrer hohen Wasseraufnahmefähigkeit von über 10% immer glasiert. Das Glasieren erfolgt in zwei Arbeitsgängen: Zunächst wird mittels eines Sprühnebels eine Engobe (Grundierung) aufgebracht. Danach erfolgt der Auftrag der Glasur unter einer Glocke. Die Glasurmasse besteht unter anderem aus vorgeschmolzenem und gemahlenem Glas. Die Auftragsmenge wird jeweils vollautomatisch und grammgenau überwacht. Durch den anschließenden Glasurbrand bei ca. 1160°C erhält die Steingutfliese ihre typische, glänzende Oberfläche.

Darüber hinaus können die Platten vor dem zweiten Brand bedruckt werden. Im Werk in Alfter erfolgt der Druck klassisch mittels Rollen und hochmodern als Digitaldruck. Wir konnten gestern den Anlauf einer neuen dekorativen Serie live miterleben.

Anschließend wird die Qualität der Fliesen normgerecht geprüft. Auf dem Markt werden Steingutfliesen heute nahezu ausschließlich rektifiziert bzw. kalibriert, d.h. mit großer Maßgenauigkeit, nachgefragt. Dieser Arbeitsschritt erfolgt durch minimales Abschleifen von Ungenauigkeiten als letztem Produktionsschritt. Danach werden die Fliesen vollautomatisch verpackt und etikettiert. Hier erkannten wir die die im Unterricht behandelten Produkt- und Norm-Bezeichnungen wieder.

Wir bedanken uns für die freundliche und fachlich informative Führung durch Herrn Lindner und Herrn Blaum.

Klasse BK20A

06. November 2021 | Aktuelles |